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DREI FRAGEN AN CLAUDIA SCHALL

In unserer Gesprächsreihe „3 Fragen an …“ skizziert Claudia Schall - Chefredakteurin von Radio Köln - welchen Herausforderungen sich der Radiosender durch die aktuelle Lage stellen muss und wie eingespielte Arbeitsabläufe angepasst wurden. 

Was bedeutet die Corona-Krise für Radio Köln?  

Wie alle Journalisten, standen auch wir von jetzt auf gleich vor einer für uns nie dagewesenen Ausnahmesituation, die uns inhaltlich und zeitlich alles abverlangt. Zeitgleich schwebte über unserem Team die dunkle Wolke einer möglichen Zwangs-Quarantäne - was das Ende unseres Sendebetriebes und damit auch der Erfüllung unserer Aufgabe als Katastrophenschutz-Sender für Köln bedeutet hätte.

In der Konsequenz müssten wir in einem solchen Fall das Rahmenprogramm von radio NRW aufschalten. Das wäre fatal, da in einer Zeit wie dieser schnellst mögliche Informationsflüsse und die Vermeidung von Panik gefragt sind und gleichzeitig das Kommunikationsbedürfnis der Kölnerinnen und Kölner so groß wie nie zuvor ist.  

 

Wie haben Sie mit Ihrem Sender auf diese Herausforderung reagiert? 

Vor allem schnell. Ich habe sofort mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln die Bedingungen abgeklärt, unter denen es uns möglich wäre, mit einem freiwilligen Kernteam eine ggf. erforderliche Quarantäne-Zeit im Sender verbringen zu können. Und dann galt es alle erforderlichen Infrastrukturen herzustellen, die uns einen Verbleib hier im Sender - denn mindestens einer muss immer die Technik im Studio bedienen - und dem Arbeiten und Senden aus dem Homeoffice ermöglichen. Und das ist bei einem technikzentrierten Medium nicht so ganz einfach. Mittlerweile steht alles – von der trivialen, aber nicht unwichtigen Fertigdusche in der Redaktion, bis hin zur Möglichkeit, dass wir jederzeit auch aus dem Homeoffice live senden könnten.

Um die Präsenzzahl der Mitarbeiter im Sender zu reduzieren und so die generelle und auch gegenseitige Ansteckungsgefahr zu minimieren, arbeiten mittlerweile u.a. unsere Reporter und Onliner ausschließlich von zuhause, die beiden Frühmoderatoren Judith und Christian moderieren getrennt voneinander in unterschiedlichen Sendestrecken. Im Großraumbüro und auch im Nachrichtenraum arbeiten jetzt in jeder Schicht nur jeweils zwei Kolleginnen/Kollegen.

 

Inwieweit haben sich durch die jüngsten Entwicklungen das Programm und die Arbeit in der Redaktion verändert?

Wir haben nicht nur unser Programm, sondern genau genommen alle Handlungsfelder an die Bedürfnisse unserer Hörerschaft hier in Köln angepasst. In dieser Situation sind vor allem Flexibilität und Kreativität gefragt - die eigentlichen Kernstärken des Mediums Radio. Unsere Reporter sortieren die Informationsflut und ordnen sie ein, Experten und Verantwortliche stellen sich per externer Liveschalte als „Studiogäste“ den Fragen unserer Hörer und natürlich steht generell die Interaktion mit unserer Hörerschaft im Vordergrund - on air, off air und digital.

Die lokalen Sendestrecken an den Wochenenden haben wir ausgeweitet und zudem produzieren wir täglich eine neue Podcast-Folge „Corona Update Köln“.  Hinzu kommt, dass uns seit Beginn der Corona-Krise täglich unzählige Anrufe und Mails erreichen, für die wir uns zusätzlich Zeit nehmen, die wir eigentlich gar nicht haben. Aber auch das gehört zu unserem Verständnis von Hörernähe. 

Generell ist die Resonanz unserer Hörer und User überwältigend, die Reichweiten sprechen Bände  – und beides motiviert uns ungemein. Letztlich sind es Zeiten wie diese, die zeigen, wie gut ein Team wirklich ist. Wenn jetzt nicht alle an einem Strang ziehen würden, ließe sich all das so nicht stemmen. Umso schöner, dass wir auch in dieser anstrengenden Situation immer noch lachen können - miteinander und übereinander. Und das funktioniert glücklicherweise auch per Skype.

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